Beiträge zum Thema ‘Macht’

  • Wie war ich? Zwischen Kontrollwahn und der Sehnsucht, loszulassen

    Datum: 18.01.2011 | Thema:Kontrolle | Kommentare: 0

    Erinnern Sie sich noch: Nach außen der kontrollierteste Sportler der Welt, im Innern ein Ertrinkender – die Geschichte von Tiger Woods und seiner Sexsucht machte letztes Jahr heftige Schlagzeilen. Absturz, Klinik, Trennung …und so richtig scheint es auch noch nicht über den Berg zu sein. Aber mal abwarten …

    Ich habe allerdings so meinen eigenen Blick auf die Zusammenhänge, die einen Mann in den Mahlstrom einer solchen Sucht treiben. Denn diejenigen Typen, die vor lauter Angst vor ihren eigenen Gefühlen eine Maske aufsetzen, haben meist gleichzeitig große Sehnsucht nach starken Gefühlen. Versetzen Sie sich doch mal kurz an Tigers Stelle:

    Der beste Golfer der Welt spürt während der großen Turniere maximal, dass er existiert. Dort bekommt er hundertmal am Tag zurückgemeldet, wie toll er ist. Das tut gut: Ich lebe! Zwischendurch, wenn kein Publikum und keine Konkurrenz seine Existenz bestätigt, gähnt die große Leere. Da ist er dann fasziniert von den Frauen, hat aber gleichzeitig Angst vor ihnen – und kompensiert das in immer heftigeren Sex-Szenarien. Langsam, aber sicher geht er dann in seiner Sexsucht unter, vögelt sich um Kopf und Kragen, hat sein Leben im Inneren so wenig unter Kontrolle, dass er sich selbst womöglich alles zerstört und dann alles verliert. Die ersten Sponsoren springen ab, seine Frau springt ab – das Leben des Tigers steht auf Messers Schneide. Dabei steckt hinter all der Sucht die große Sehnsucht: Nicht mehr alles kontrollieren zu müssen. Sich endlich fallen lassen können. Spüren, fühlen, wohltuender Kontrollverlust. Kein Verstellen, keine Maske mehr – so geliebt werden, wie man ist, ob Männlein, ob Weiblein, ob stark oder schwach, gut oder schlecht, nur aus sich selbst heraus leben. Aber was, wenn Sie sich fallen lassen, und niemand fängt Sie auf? Wenn Sie auf diese Frage keine Antwort parat haben, schlägt die Angst zu, die Kontrolle zu verlieren und ins Bodenlose zu stürzen.

    Unter anderem deswegen versuchen Männer, ihren Mann zu stehen, bis sie nach einem solchen durchgekämpften Leben flach in der Kiste liegen. Oder sie stellen nach dem Sex die postkoitale Frage: Wie war ich? – anscheinend haben sie keine Idee, wie es war und auf was es dabei überhaupt ankommt. Dann war es für sie nur eine weitere Flucht vor der Leere oder eine Bestätigung durch Leistung –ein echter Mann bringt es, wenn es drauf ankommt.

    Zeit für eine kleine Selbstreflexion? Wie sieht‘s bei Ihnen aus mit den starken Gefühlen? Lassen Sie sie zu? Können Sie sich fallenlassen? Testen Sie doch mal, ob Sie sich nicht nur in die Augen schauen, sondern sich auch selbst in den Arm nehmen können. Das gibt Stabilität – von innen. Und dann braucht‘s weniger Bestätigung und Ablenkung von außen, wenn’s mal nicht so gut läuft. Probieren Sie’s aus … :-)

  • Sind Sie ein Gewinnertyp?

    Datum: 11.01.2011 | Thema:Macht | Kommentare: 1

    Auge um Auge, Zahn um Zahn, Kampf bis aufs Messer: Unsere Vorfahren waren hart im Nehmen, aber auch im Austeilen. Allerdings mit gutem Grund, denn oft genug standen für sie Leib und Leben auf dem Spiel. Wer seine Ziele erreichen und sich durchsetzen wollte, durfte nicht zimperlich sein. Heute wie damals geht es um Status, Luxus, Kampf und Macht. Allerdings heißt gewinnen heute nicht unbedingt mehr, jemanden besiegen zu müssen, im Gegenteil, oft ist Kämpfen bis zum Umfallen eher kontraproduktiv.

    Ich muss da an den Schwarzen Ritter in Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ denken, der sich König Artus in den Weg stellt: Der ist ein echter „Gewinnertyp“ – er gibt nicht so schnell auf …

    „An mir kommt niemand vorbei!“ tönt er. Und als im unvermeidlichen Kampf König Artus dem Schwarzen Ritter den linken Arm abschlägt, bagatellisiert der: „Ach, das ist nur ein Kratzer!“ – und kämpft verbissen weiter. Kurz darauf verliert er den zweiten Arm. Das Blut tropft aus beiden Schultern, aber der Ritter gibt nicht auf. Jetzt beginnt er, König Artus mit Fußtritten zu malträtieren. Der König muss mit dem vor ihm herum hampelnden Wrack von einem Ritter weiterkämpfen, wenn er den Sieg davontragen will, und darum geht‘s ja schließlich: „Ihr seid wirklich außergewöhnlich tapfer, Sir, aber der Sieg ist mein! Und Ihr habt keine Arme mehr!“ – „Ach, ist doch nur ne Fleischwunde“, entgegnet der Ritter und tritt dem König in den Hintern. Auch als er dann nur noch auf einem Bein herumhüpfen kann, weil das andere abgehauen im Schmutz liegt, ist noch nicht Schluss: „Ich bin unbesiegbar. Ich spucke dir in die Augen und blende dich!“ Am Ende, nachdem ihm der König auch noch das zweite Bein abgeschlagen hat, balanciert der Ritter auf seinem Rumpf und kommt so langsam zur Einsicht, dass er nicht mehr gewinnen kann: „Also gut, einigen wir uns auf unentschieden!“ :-)

    Natürlich spaltet Monty Python die Welt in zwei Lager: Die einen lachen sich kaputt bei solchen Sketchen, die anderen schütteln verständnislos den Kopf. Aber auch wenn Sie kein Monty-Python-Fan sind: Diese Karikatur der Leistungsorientierung ist großartig. Sie bringt auf den Punkt, wie absurd es ist, sich zeitlebens immer im Kampf zu sehen.

    Ja, wir Männer wollen immer gewinnen. Aber wenn wir nicht untergehen wollen, müssen wir eines Tages begreifen, dass gewinnen nicht grundsätzlich bedeuten muss, den anderen zu besiegen. Lassen Sie es also ruhig mal etwas gemächlicher und überlegter angehen. Nicht im Sinne eines faulen Kompromisses, aber vielleicht, indem Sie Dinge relativieren: Wie viel Krafteinsatz ist wirklich nötig, um meine Ziele durchzusetzen? Gibt es noch einen anderen, sanfteren, besseren Weg als den Kampf, um mein Ziel zu erreichen? Denken Sie mal drüber nach, es könnte sich lohnen … :-)

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