Beiträge zum Thema ‘Leistung’
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Gib‘ Dein Bestes!
Jeder braucht Anerkennung. Viele kennen aber keinen anderen Weg dazu, außer Leistung zu bringen. Auch mir ging’s jahrelang so: Vollgas, immer bis zum Anschlag. Und darüber hinaus. Ohne Rücksicht darauf, was alles auf der Strecke bleibt. Und warum? Weil ich Anerkennung von Anderen wollte und keine andere Methode kannte, Anerkennung zu bekommen – außer über meine Leistungen.
Doch dann kam die Wende: Ich besuchte ein Seminar. In der Vorstellungsrunde hatte ich einen auf dicke Hose gemacht: „Sportwissenschaftler, fit wie ein Turnschuh“ und so weiter. Ich wollte beeindrucken. In der ersten Nacht wurden wir mit der Trillerpfeife geweckt.
Die Aufgabe lautete: Rauf auf die Laufstrecke und „Gib dein Bestes!“. Ich bin also losgerannt und hatte schnell einen Vorsprung herausgelaufen. Kurve. Bergab nur nicht stolpern. Dann die Wendemarke. Ich war erster! Jetzt musste ich nur noch wieder locker hoch laufen. Aber schon merkte ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Viel zu schnell losgelaufen. Jeder Muskel sauer. Ich bekam kaum noch Luft. In meinem Nacken spürte ich den Atem der Verfolger. Aber noch lag ich vorne. Bis hinter die Kurve. Dann ging nichts mehr: Ich stand mit den Händen auf den Knien im Schnee und kotzte. Würgte. Schluckte. Flennte. Alle liefen an mir vorbei. Als ich am Ende oben ankam, hatte ich eine einzige Frau wieder überholt. Die war dreißig Jahre älter und einen Zentner schwerer als ich.
Dann durften wir duschen, Treffpunkt anschließend im Seminarraum, mitten in der Nacht. Auf dem Flipchart waren die Teilnehmer in der Reihenfolge des Zieleinlaufs aufgelistet. Vorletzter. Ich wollte nur noch in irgendein schwarzes Loch reinfallen, für immer im Erdboden verschwinden. Dann wurden alle der Reihe nach befragt, wie‘s uns geht. Ich kam dran: Ralph, bei dir? – Scheiße. Mir geht‘s so scheiße. – Und was war die Aufgabe? War die Aufgabe: Werd erster? Oder: Lauf Weltrekord? Die Aufgabe war: Gib dein Bestes. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Schlagartig wurde mir klar, wie ich das auch in meinem „richtigen“ Leben machte. Immer bis zum Anschlag…und darüber hinaus. Und warum? Wegen der (vermeintlichen) Anerkennung.
Saublöd! Das habe ich danach radikal verändert. Egal was ich heute mache – Buch schreiben, Drinks mixen, mich um meine Kinder kümmern, einen Vortrag halten, egal was – ich stelle mir heute immer die Frage: Habe ich mein Bestes gegeben?. Und zwar unter Berücksichtigung aller Bedingungen und Lebensbereiche, die mir wichtig sind, und die nicht dauerhaft darunter leiden dürfen. Und wenn ich diese Frage mit JA beantworten kann, bin ich mit mir im Reinen – und habe nicht ständig diesen Druck. Das ist also mein Rezept gegen Leistungsdruck: Nicht DAS Beste geben, sondern MEIN Bestes geben.
Und wenn jemand mehr verlangt, als Ihr Bestes, dann passen Sie vielleicht einfach nicht zusammen. Denken Sie mal drüber nach …
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