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Sind Sie ein Gewinnertyp?
Auge um Auge, Zahn um Zahn, Kampf bis aufs Messer: Unsere Vorfahren waren hart im Nehmen, aber auch im Austeilen. Allerdings mit gutem Grund, denn oft genug standen für sie Leib und Leben auf dem Spiel. Wer seine Ziele erreichen und sich durchsetzen wollte, durfte nicht zimperlich sein. Heute wie damals geht es um Status, Luxus, Kampf und Macht. Allerdings heißt gewinnen heute nicht unbedingt mehr, jemanden besiegen zu müssen, im Gegenteil, oft ist Kämpfen bis zum Umfallen eher kontraproduktiv.
Ich muss da an den Schwarzen Ritter in Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ denken, der sich König Artus in den Weg stellt: Der ist ein echter „Gewinnertyp“ – er gibt nicht so schnell auf …
„An mir kommt niemand vorbei!“ tönt er. Und als im unvermeidlichen Kampf König Artus dem Schwarzen Ritter den linken Arm abschlägt, bagatellisiert der: „Ach, das ist nur ein Kratzer!“ – und kämpft verbissen weiter. Kurz darauf verliert er den zweiten Arm. Das Blut tropft aus beiden Schultern, aber der Ritter gibt nicht auf. Jetzt beginnt er, König Artus mit Fußtritten zu malträtieren. Der König muss mit dem vor ihm herum hampelnden Wrack von einem Ritter weiterkämpfen, wenn er den Sieg davontragen will, und darum geht‘s ja schließlich: „Ihr seid wirklich außergewöhnlich tapfer, Sir, aber der Sieg ist mein! Und Ihr habt keine Arme mehr!“ – „Ach, ist doch nur ne Fleischwunde“, entgegnet der Ritter und tritt dem König in den Hintern. Auch als er dann nur noch auf einem Bein herumhüpfen kann, weil das andere abgehauen im Schmutz liegt, ist noch nicht Schluss: „Ich bin unbesiegbar. Ich spucke dir in die Augen und blende dich!“ Am Ende, nachdem ihm der König auch noch das zweite Bein abgeschlagen hat, balanciert der Ritter auf seinem Rumpf und kommt so langsam zur Einsicht, dass er nicht mehr gewinnen kann: „Also gut, einigen wir uns auf unentschieden!“
Natürlich spaltet Monty Python die Welt in zwei Lager: Die einen lachen sich kaputt bei solchen Sketchen, die anderen schütteln verständnislos den Kopf. Aber auch wenn Sie kein Monty-Python-Fan sind: Diese Karikatur der Leistungsorientierung ist großartig. Sie bringt auf den Punkt, wie absurd es ist, sich zeitlebens immer im Kampf zu sehen.
Ja, wir Männer wollen immer gewinnen. Aber wenn wir nicht untergehen wollen, müssen wir eines Tages begreifen, dass gewinnen nicht grundsätzlich bedeuten muss, den anderen zu besiegen. Lassen Sie es also ruhig mal etwas gemächlicher und überlegter angehen. Nicht im Sinne eines faulen Kompromisses, aber vielleicht, indem Sie Dinge relativieren: Wie viel Krafteinsatz ist wirklich nötig, um meine Ziele durchzusetzen? Gibt es noch einen anderen, sanfteren, besseren Weg als den Kampf, um mein Ziel zu erreichen? Denken Sie mal drüber nach, es könnte sich lohnen …